Keine Mehrheit für Achtsamkeit auf den Gemeindeäckern

Im Rahmen der Gemeinderatssitzung vom 4.8.2020 wurde von uns Grünen der Antrag gestellt, dass zukünftige Pächter*innen der Gemeindeäcker bzw. die Verlängerung eines Pachtvertrages daran gebunden sein soll, dass die Böden ausschließlich nach ökologischen Kriterien bearbeitet werden dürfen.

Nun sind die sehr vielen Äcker der Gemeinde schon seit Jahren an dieselben Pächter*innen vergeben, 43 Prozent werden bereits biologisch bewirtschaftet, 9 Prozent werden nicht bewirtschaftet und 48 Prozent werden konventionell bearbeitet. Also immerhin ein Potential von fast der Hälfte, bei der auf Kunstdünger, Insektizide und Pestizide verzichtet werden könnte.

Unser Antrag wurde erwartungsgemäß von allen ÖVP-Gemeinderät*innen und den meisten der SPÖ abgelehnt.

Die Begründungen waren vielfältig und durchsichtig (einer der Hauptpächter sitzt selbst im Gemeinderat). Interessant war aber die Begründung, dass man einem Bauer, der Land pachtet, die Form der Bearbeitung auf keinen Fall vorschreiben darf, obwohl dieses Land ihm ja gar nicht gehört. Es wäre eine unzumutbare Bevormundung, eine Entmündigung und eine existenzbedrohende zu Tode-Regelung für die Pächter*innen. Natürlich stellt man sich da schon die Frage, wie jene Landwirt*innene überleben, die immerhin 43 Prozent der Gemeindeäcker biologisch bewirtschaften.

Ich habe mir überlegt, wenn die Äcker vermietete, gemeindeeigene Häuser wären, dann würde das bedeuten, dass jeder Mieter mit dem Haus tun darf, was er will, obwohl das Haus Eigentum der Gemeinde ist. In jedem Gemeindebau der Stadt Wien hängt eine Hausordnung, jeder Wohnungseigentümer darf seinem Mieter kündigen, wenn er nicht achtsam mit seiner Wohnung umgeht. Kein Eigentümer würde auf die Idee kommen, sein Haus weiter an einen Mieter zu vergeben, der seinem Haus nicht guttut.

Schade, dass unsere Erde kein Haus ist.

(Susanne Nanut, Gf Gemeindrätin)