Empörung über die Waldbewirtschaftung

Eine Sachverhaltsdarstellung und Stellungnahme von Wolfgang Exler

Für große Aufregung in unserer Bevölkerung sorgten in den letzten Monaten Wald- bzw. Kahlschlagarbeiten in unserer Gemeinde. Es gab teils heftige, emotionale Auseinandersetzungen und große Empörung über diese Rodungen. Bis jetzt wurde in vier Gebieten, welche im Waldbewirtschaftungsplan ausgewiesen waren, gearbeitet.

Vier Kahlschlag- bzw. Rodungsbereiche

Der erste Bereich war das relativ kleine Waldstück am Ortsende von Schleinbach bei der Grünschnittdeponie: Es war von Ing. Hahn (Verantwortlicher für den beschlossenen Waldwirtschaftsplan) als „Zusammenbrechender Bestand“ klassifiziert worden; einige tote, viele kranke Eschen, mehrere große kranke Weiden (einige davon auch bereits umgestürzt) führten zu dieser Einschätzung. Vorgeschlagen waren eine Rodung und Neuaufforstung. Aufregung unter der Bevölkerung entstand dadurch, dass in diesem Wäldchen auch gesunde Nussbäume, Birken und Wildkirschen standen, welche ebenfalls umgeschnitten wurden. Außerdem gab es ärgerlicherweise keinerlei Vorinformationen der Anrainer zu diesem Vorhaben!

 

Nach den Protesten der Anrainer und der Besichtigung des Geländes verhandelten Bürgermeister Ernst Bauer und ich gemeinsam mit Ing. Hahn. Wir kamen überein, die Rodungsarbeiten dort einzustellen und die am unteren Ende des Waldgebietes befindlichen Pappeln vorerst stehen zu lassen. Das Gebiet wird mit Schwarznüssen, Schwarzerlen und Winterlinden aufgeforstet und mit einem Wildzaun versehen. Nach einem Vorschlag von mir werden auch einige Elsbeeren und Speierlinge gepflanzt.

Was sehr diskussionswürdig erscheint, ist, dass aus Kostengründen mit dem „Harvester“ gearbeitet wurde. Dadurch wurde der Waldboden ziemlich verwüstet, Spurrillen bis zu 60 cm Tiefe machen deutlich, wie mit dem Bodenleben umgegangen wurde. Die Überbleibsel der Rodungsarbeiten lassen derzeit nicht einmal erkennen, ob schon wieder Jungbäume gesetzt wurden oder nicht.

 

Der zweite Einsatz betraf einen ca. 3 ha großen Robinienbestand hinter dem „Achaz-Haus“ in Schleinbach. Ing. Hahn argumentierte bei der Informationsveranstaltung für die Parteienvertreter*Innen des Gemeinderats, dass Robinienbestände, wenn man sie auf erhalten und bewirtschaften (ernten) will, alle paar Jahrzehnte auf Stock geschnitten werden müssen, weil sie sonst im Alter nicht mehr vital genug sind, um aus dem Stumpf nachzutreiben (andernfalls sind sie nach dem Schnitt innerhalb von zwei bis drei Jahren wieder mehrere Meter hoch). Dieses Vorhaben war im Waldwirtschaftsplan geschildert und argumentiert.

Ich bestand nach den Erfahrungen bei der ersten Rodung darauf, dass zur Bodenschonung nur mehr bei gefrorenem Boden gearbeitet wird. Da es in Wintern wie diesem nicht mehr stark friert, wurde bei leichtem Frost dennoch gearbeitet und die Humusschicht wieder sehr belastet bzw. zerstört. Ärgerlich war, dass der Harvester auch im Bachbett fuhr und dort natürlich noch tiefer einsank. Dass auch in diesem Fall bis auf einige wenige erhaltene große Bäume ebenso gesunde Bäume anderer Arten als Robinien gefällt wurden, erklärte Ing. Hahn damit, dass das einzelne Herausschneiden bzw. Stehenlassen durch einen größeren Arbeitsaufwand weitaus teurer gewesen wäre.

 

Der Kahlschlag beim Weinviertelkreuz, neben der Straße gelegen und dadurch gut einsehbar, sorgte für die heftigsten Reaktionen. Ich wurde in der Zeit direkt vor der Gemeinderatswahl von einem empörten Bürger angerufen, war zehn Minuten später vor Ort, der erste Eindruck war heftig. Daher erfolgte sofort ein Telefonat mit dem Bürgermeister mit der Aufforderung zum Arbeitsstopp (samt Androhung des Ankettens an Bäume). Telefonate mit Ing. Hahn garantierten einen Arbeitsstopp (bis auf das Herausholen bereits geschnittener Bäume).

 

Eine Recherche im Waldbewirtschaftungsplan führte zu weiterer Verwirrung und Ärger, da dieses Waldstück mit „Momentan keine Maßnahmen notwendig“ klassifiziert war. Ein neuerliches Telefonat mit Ing. Hahn ergab: Die Waldbeurteilung für den Bewirtschaftungsplan erfolgte schon 2017, seither hat sich der Zustand der vielen Eschen dramatisch verschlechtert. In diesem Waldstück waren viele Eschen – einige schon tot bzw. sichtbar krank. Ing. Hahn entschied daher nach eigenen Angaben an Ort und Stelle mit dem Ortsvorsteher von Kronberg und dem Vizebürgermeister, diesen Wald ebenfalls zu roden. Leider erfolgte auch über diese Entscheidung keine entsprechende Information (auch nicht an den Umweltgemeinderat), wodurch die Diskussion sehr emotionell und schuldzuweisend wurde. Ing. Hahn betonte, dass einige Bäume sofort umgeschnitten werden müssten und dass die Entscheidung eines kompletten Schnitts erfolgte, um die weit höheren Kosten einer aufwändigen Bearbeitung unter Schonung einzelner gesunder Bäume zu verhindern.

Ich war bereits mehrmals dort, habe die Baumstümpfe und die umgeschnittenen Stämme genau angeschaut: Sicher über zwei Drittel, wenn nicht sogar drei Viertel der Bäume waren Todeskandidaten. Wer es nicht glaubt, soll selbst hinfahren und nachsehen. Bei einigen Stämmen ist nur mehr der äußerste Stammbereich vital, der Rest bereits vom Pilz befallen oder zerfressen. Leider (aus meiner Sicht) wurden wieder ein paar gesunde, große Bäume mit – aus Sicht des Försters – geringerem Wert, wie Linden, Pappeln oder auch eine Vogelkirsche weggeschnitten. Durch die Verwendung großer Holzerntemaschinen wurde auch hier der Boden sehr in Mitleidenschaft gezogen.

 

Die vierte Fläche befindet sich am Ortsanfang von Kronberg, gleich am Berghang neben den ersten Wohnbauten: Hier wurden – wie im Bewirtschaftungsplan vorgesehen – die Robinien auf Stock geschnitten und der Unterwuchs (auch viele alte Hollerbüsche) unter den Rotföhren im oberen Hangbereich entfernt, da ein dichter Bewuchs zu höherer Luftfeuchte in diesem Bereich und damit zu einer Gefährdung der Föhren durch Pilzbefall führen könnte (lt. Ing. Hahn). Beim Schnittgut befanden sich auch einige vitale Linden. Der Boden in diesem Waldbereich befindet sich durch den Einsatz der Walderntemaschinen in einem schrecklichen Zustand, kreuz und quer tief zerfurcht, verdichtet!

Waldbewirtschaftungsplan

Das Grüne Kleeblatt hat zwar den Waldbewirtschaftungsplan im Gemeinderat mitbeschlossen, allerdings nicht im Wissen um diese Art der Waldbearbeitung mit schwerem Gerät, welche nach unserer Einschätzung nicht dem entspricht, was heutzutage nötig wäre.

Auch wenn eine sensiblere Bearbeitung, das Herausschneiden einzelner Bäume und das bodenschonende Herausholen der Bäume, teurer wären, halten wir diese Methode für wichtig! Das Kostenargument darf nicht das wichtigste Argument sein. Wir werden uns dafür einsetzen, dass die weiteren Waldgebiete unter dem höchsten Ziel der Erhaltung möglichst vieler gesunder Bäume bearbeitet werden. Vor allem muss auch darauf Wert gelegt werden, dass möglichst bodenschonend gearbeitet wird. Eine Bodenvernichtung wie bei den vergangenen Schlägerungsarbeiten werden wir nicht mehr dulden! Der Humusboden im Wald ist ein wichtiger Wasserspeicher, der auch Starkregenfälle wie ein Schwamm aufsaugen kann und dadurch ein wichtiger Schutz gegen Überflutungen ist. Während von den Maisfeldern in Hanglagen ganze Schlammfluten in die Orte strömen, gibt es aus Waldgebieten keinerlei Abfluss, das Wasser bleibt im Wald gespeichert! Bodenzerstörung und Verdichtung kann diese wichtige Fähigkeit des Waldbodens zerstören! Daher muss der Waldboden geschützt und nicht kaputt gemacht werden!

Noch drei Bemerkungen zu diesen Arbeiten:

  1. Das Problem verschärfend ist sicher, dass nach jahrzehntelangem Nichtstun jetzt umso mehr an Arbeit anfällt, welche umso auffälliger und radikaler wirkt. Auf längere Zeiträume aufgeteilt wären diese Arbeiten wohl weniger gravierender ausgefallen.
  2. Das Weinviertel ist in wissenschaftlichen Prognosen für dieses Jahrhundert bereits als versteppungsgefährdet ausgewiesen, der Norden sogar als Kandidat für Wüstenbildung genannt! Die Klimakrise im Weinviertel wird sicher dazu führen, dass in bereits naher Zukunft immer mehr Baumarten ihre Vitalität verlieren, und in der Folge massiv von Schädlingen befallen oder vermehrt unter Krankheiten leiden werden. Dadurch werden Wälder mit gesunden alten Bäumen immer seltener werden. Es wird häufiger zu Rodungen kommen, um die noch vorhandenen gesunden Bestände zu schützen.
  3. Es bedarf dringend einer Diskussion des Begriffs „Nutzung“! Wann wird ein Wald genutzt? Nur durch das Umschneiden der Bäume und durch das CO2-neutrale Verheizen der produzierten Hackschnitzel? Oder nicht auch durch die Bevölkerung, welche den Wald als Erholungsraum, zum Nüsse Sammeln usw. verwendet, durch die Wasserspeicherung des Waldbodens, durch das Rückzugsgebiet für große und kleine Tiere in verwildertem Dickicht? Das Grüne Kleeblatt sieht einen ganzheitlichen Nutzen unserer Waldgebiete, welcher auch die Ökologie und den Artenschutz betrifft!

(Wolfgang Exler, Ex-Umweltgemeinderat)